Tauchtauglichkeit im Überblick...
- The Diving Biologist
- 9. Aug. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Aug. 2022
Tauchen ist kein ungefährlicher Sport. Man muss sich in Theorie und Praxis auskennen und muss wissen, was man in Aus- und Notfällen zu tun hat. Gleichzeitig ist Tauchen auch anstrengend, auch wenn es einem Unterwasser nicht so vorkommt. Die Kälte, die ständige Bewegung und der ungewohnte Druck können ziemlich strapazieren. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass man eine gewisse Fitness und Gesundheit im Tauchsport mitbringen muss, damit man der neuen Umgebung auch gewachsen ist und man vor allem mit dem Druck zurechtkommt. Um zu testen, ob man rein körperlich in der Lage ist zu tauchen, macht man am besten einen Test beim Arzt und holt sich ein sogenanntes medizinisches Tauchtauglichkeitszeugnis ab.
Genau das habe ich heute getan. Und ja ich weiß, ich besitze bereits einen Tauchschein, habe schon mehrere Tauchgänge hinter mir und bin bis zu einer Tiefe von 40m ausgebildet. Warum teste ich also jetzt erst meine Tauchtauglichkeit? Ganz einfach, da wo ich als nächstes Tauchen möchte geht es nicht ohne. Ich also zwei Tage vor der Abreise nochmal schnell zum Arzt gerannt. Damit euch nicht das Gleiche passiert, empfehle ich euch, die Tauglichkeit direkt zu testen. In vielen Ländern bzw. Tauchschulen ist es sowieso (indirekte) Pflicht ein Zeugnis vorzulegen. Früher oder Später werdet ihr nicht darum herumkommen, also setzt euer Glück, noch schnell einen Termin zu bekommen, nicht aufs Spiel, sondern erledigt es direkt. Natürlich ist es nicht nur aus zeitlichen Gründen sinnvoll frühzeitig seine Tauchtauglichkeit zu testen, sondern es kann einen auch vor Verletzungen und unnötigem Risiko schützen.
Dass der Druck unterwasser steigt haben wir vermutlich alle schon mal zu spüren bekommen. Das Ohr drückt und tut weh, wenn man beim absinken nicht stetig einen Druckausgleich ausführt. Also Nase zuhalten, Backen aufblasen und Druck von innen auf das Trommelfell ausüben. Wer das noch nie im Wasser gemacht hat, kennt es bestimmt vom Fliegen oder bei starker Bergabfahrt. Gelingt der Druckausgleich schon im Flugzeug nicht, sollte man sich seine Ohren einmal anschauen lassen. Unter der Wasseroberfläche kommt nämlich alle 10m der ganze Druck, der uns umgebenden Luft, nocheinmal dazu. Die Luftsäule unter der wir uns ständig bewegen hat 1 Bar, 10m unterwasser sind es dann also schon 2 Bar, in 20m Tiefe schon 3 und so weiter und so fort. Ob das der Körper mitmacht testet die Tauchtauglichkeit. Und so läuft das ab; beim Arzt angekommen (HNO oder Taucherarzt) bekommt man erstmal eine Rechnungsübersicht in die Hand gedrückt, den bei dem Tauchtauglichkeitzeugnis handelt es sich um einen Selbstzahlerservice der Ärztinnen. In meinem Fall beliefen sich die Behandlungskosten auf knapp 140 euro. Preise im Bereich von 100-150 euro sind dabei durchaus normal. So, aber was bekommt man den dann für sein Geld?
Prinzipiell werden 3, in bestimmten Fällen auch 4 Bereiche untersucht. Zuerst ging es bei mir mit dem Hörtest los. Dabei wurde zuerst die Antwortreaktion meiner "Gehör-Härchen" überprüft, ob sie auf Töne so reagieren wie sie es sollen. Anschließend wurde getestet wie meine Ohren auf Druck reagieren. Beides wurde mittels eines kleinen Steckers im Ohr festgestellt. Als letzten Schritt des Hörtest wurde untersucht wie gut ich denn nun wiklich hören kann. Dabei wurde ich in einen kleinen Raum gesetzt mit der bitte die Kopfhörer aufzusetzten und auf einen Knopf zu drücken, sobald ich einen Ton vernehmen würde. Erst rechts, dann links, in verschiedenen Tonlagen. Damit war der Hörtest abgeschlossen und es ging weiter zur Untersuchung der Lunge und Atemwege. Zuerst werden die Nasenhöhlen getestet. Stöpsel ins eine Nasenloch, Atemmessgerät ins andere, und dann heißt es normal atmen. Seitenwechsel und wieder von vorne. Dann folgt die Überprüfung der Lunge. Die Nase wird abgeklemmt und das Atemmessgerät mit Mundstück in den Mund gesteckt. Dann heißt es ein paar mal normal Atmen und dann einmal gaaaanz tief einatmen und mit voller Wucht und so lange es geht wieder ausgeatmet. Dabei wird das Volumen der Lunge getestet, wie viel hineingeht und wie viel auch wieder heraus. In meinem Fall ging es anschließend im letzten Schritt zur Untersuchung beim Arzt. Die Ohren wurden einmal angeschaut, dann die Nase und der Kehlkopf. Zu guter letzt wurden die Nebenhöhlen mittels Ultraschall durchleuchtet, um zu sehen, ob irgendwelche Entzündungen oder Polypen zu erkennen sind. Damit ist man dann durch, solange man noch unter 40 Jahren alt ist. Ab dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich auch noch einem Belastungs-EKG aussetzten muss. Aber dann hat man es auch wirklich geschafft und man hält seine Tauchtauglichkeitsbescheinigung in der Hand. Diese ist übrigens nur 2 Jahre gültig und muss dann erneut getestet werden.
So, dann kann es aber auch wirklich losgehen! Alle Tests bestanden und alle Werte im grünen Bereich? Dann ab ins Wasser.
Ich freue mich auf jeden Fall wie bolle, das Zeugnis in der Hand zu halten und nun jetzt auch wirklich ganz offiziell wirklich tauchen zu dürfen. Ich weiß nun, dass ich gesund bin und meinen Körper nicht an gefährliche Grenzen bringe, ohne es überhaupt zu wissen und kann nun beruhigt die Wunder des Meeres weiter erkunden.
Ich freue mich schon sehr, meine Erfahrungen aus Italien mit euch teilen zu können. Die Kamera ist am Start und die Tauglichkeit in der Tasche. Let's get diving!
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