Plankton; mehr Sein als Schein
- The Diving Biologist
- 14. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Jaja ich weiß schon; geht der Spruch nicht anders? Ja tut er, aber dann würde er nicht mehr zu dem jetzigen Thema passen. Plankton ist nämlich unglaublich, und nicht nur unglaublich klein.
Aber was ist Plankton eigentlich? Um es ganz einfach zu halten, versteht man unter Plankton alle unterwasser vorkommende Lebewesen, die nicht aktiv, also unter Verbrauch von Energie, gegen Strömung anschwimmen können. Sie 'schweben' also im Wasser umher. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht bewegen können. Au contrair, die kleinen Viecher flitzen ganz schön hin und her und auch hoch und runter, nur eben nicht gegen die Strömung. Dabei können Lebensformen mit einer Größe von <1µm Plankton sein, aber auch Quallen können zum Plankton zählen. Es ist also eher eine Beschreibung eines Organismus als viel mehr eine Art. Unter Plankton kann man dann auch nochmal zwischen Holoplankton und Meroplankton unterscheiden. Zu Holoplankton gehört alles an Plankton, was das gesamte Leben auch als Plankton bleibt (holo = alles), während Meroplankton (mero = teile) Organismen sind, die einen Teil ihres Lebenszyklus in Plankton verbringen, aber eben nicht nur.
Damit ist erstmal geklärt, was Plankton eigentlich ist. Dann wird es jetzt Zeit zu erläutern, warum es so unglaubich wichtig ist.
Vereinfacht gesagt ist es der Start der Nahrungskette im Meer. Plankton lässt sich noch einmal grob in drei Untergruppen teilen.
Das Zooplankton, mit größen ab >200µm, das Phytoplankton (<20µm), welches Photosynthese betreibt, und das Mikroplankton (<1µm) zu dem auch Bakterien und Viren gehören. Und da fängt alles an, oder zumindest die Nahrungskette.
Viren sind ja dafür bekannt, dass sie einen Wirt benötigen, um sich zu vermehren. Das passiert auch im Meer. Viren befallen Mikroplankton und vermehren sich solange, bis ihr Wirt einfach zerplatzt und die neuen Viren in die Umwelt schleudern. Die Überreste des nun toten Wirtes dienen jetzt als Nahrung, als Quelle organischen Materials, für anderes Mikroplankton oder auch für Phytoplankton. Dieses wird anschließend von der nächst größeren Lebensform, dem Zooplankton (gesprochen Zo-o-plankton), verspeißt, und so weiter und so weiter, bis jede Grille, jeder Fisch, jeder Wal satt geworden ist. Ganz klar nach dem Motto "es gibt immer einen größeren Fisch".
Ihr seht also, ohne Plankton wäre das Leben im Meer, und damit auf der Erde, gar nicht möglich. Doch auch abgesehen von seiner enormen Wichtigkeit in der Nahrungskette, ist Plankton auch so sehr faszinierend.
Auch wenn Plankton nicht gegen den Strom schwimmen kann, bewegt es sich doch sehr viel. Jede*r der schon mal einen Tropfen Meerwasser unter die Lupe (oder viel mehr unters Mikroskop) genommen hat, weiß wie sehr es da überall herumwusselt. Blitztschnell rasst es hin und her und hält vielleicht einmal lang genug inne, dass man gerade so ein Foto machen kann. Aber nicht nur von rechts nach links bewegen sich die kleinen Organsimen, sonder auch von oben nach unten und umgekehrt, werden ganz schöne Strecken zurückgelegt. 100-200m legen manche Arten im Rhythmus von Tag und Nacht zurück. Nachts taucht man ab, um Nahrung und Nährstoffe zu finden, die nach unten absinken und um Energie zu sparen. Tagsüber geht es nach oben, um das Licht aufzunehmen (Phytoplankton zur Photosynthese), um Algen zu essen und mehr in Bewegung zu sein, durch Winde die das Wasser in Bewegung setzten oder durch Strömungen.
Um nicht ständig abzusinken und trotzdem Energie einzusparen, lagern viele Planktonarten kleine Öltropfen ein. Diese sind unter dem Mikroskop oft sehr deutlich zu erkennen, da sie jeh nach verspeißte Algenart, auch die Farbe der Photosynthesepigmente annehmen. So sind Tropfen grün durch das Chlorophyll oder rot orange durch die Carotionoide in den Algen. Mittels dieser Öltropfen, verhindern die kleinen Lebewesen, dass sie zu schnell absinken. Da Öl eine geringere Dichte hat als Wasser, sinkt es nich ab, sonder treibt nach oben. Auch dient das Öl als Notfallration, falls das letzte Essen, doch schon länger zurückliegen sollte. Des Weiteren sieht Plankton oft ganz seltsam aus. Viele Beinchen und Härchen und Borsten und was sonst noch, aber auch diese Fortsätze helfen gegen das Absinken im Meer, da durch eine Vergrößerung der Oberfläche auch die Reibung erhöht wird und so ein langsameres sinken ermöglicht wird. So auf jeden Fall die aktuelle Annahme.
Ihr seht also, Plankton ist mehr Sein als Schein. Auch wenn man es oft mit bloßem Auge nicht sieht, erfüllt es eine unglaublich wichtige Position in der Ökologie der Meere und ein Leben ohne Plankton wäre einfach nicht möglich.
Wenn ihr euch also das nächste Mal klein und unbedeuten fühlend sollet, dann denkt doch einfach mal an Plankton und wie auch kleine und unscheinbare Dinge, dass Leben maßgeblich beeinflussen.
Damit wünsche ich euch Allen einen schönen Sonntag und bis zum nächsten spannenden Thema.
Eure Diving Bilogist
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