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Luftaufnahme von Wellen
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The Blue Mind

  • Autorenbild: The Diving Biologist
    The Diving Biologist
  • 19. Juni 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Du hörst das Rauschen, die Wellen brechen vor dir, du spürst den Wind auf deiner Haut und riechst die salzige Luft. Ein Gefühl, das du nicht richtig definieren kannst, durchströmt dich. Ein Gefühl von Glück und Ruhe, von Aufregung und Ankommen. Ein Gefühl von Wahrheit und Zuhause. Irgendwie fühlst du dich echt, geborgen und lebendig zugleich.


Wer schon mal am Meer war, kennt dieses Gefühl vielleicht. Es ist auf seine eigene Art und Weise unbeschreiblich und doch so vertraut. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Es überkommt mich jedes Mal, wenn ich an einer Küste stehe, spüre, wie das Meer mich umspielt, wenn ich die ersten Schritte hineingemacht habe, wenn ich die Wellen brechen höre. Auch jetzt habe ich dieses Gefühl in mir getragen. Ich habe eine kurze Auszeit vom schlechten Wetter in Deutschland genommen und bin nach Portugal in das etwas weniger schlechte Wetter geflüchtet, um zusammen mit alten und neuen Freunden surfen zu gehen.


Gleich am ersten Abend machten wir uns von unserem Camp aus auf den Weg, um die Sonne im Ozean verschwinden zu sehen. Über einen kleinen Trampelpfad erreichten wir eine Klippe, und kaum war dieser Weg gefunden, überkam mich dieses bekannte, mir nicht definierbare Gefühl von... naja, von was?

Am besten konnte ich es beschreiben mit dem Gefühl von 'Echtheit' und purem Glück. Es durchströmte mich vollkommen und drängte mich immer näher zum Meer. Ich wollte springen und jubeln, herausschreien, wie unglaublich glücklich ich bin.

Gleichzeitig ließ es mich auch ruhig werden. Ließ mich ankommen im Hier und Jetzt. Es gab nur noch das Meer, die Erde, auf der ich stand, die Sonne, die meine Haut wohlig aufwärmte, und die Freude der Menschen, die mich begleitet haben.

Alles andere verschwand. Alle Probleme und Gedanken, die einen doch zu oft einnehmen und die Gegenwart vergessen lassen. Diesen Effekt hat nur das Meer auf mich. Da gibt es nichts Vergleichbares. Und mit diesem Gefühl bin ich nicht allein.

Einige der Menschen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, kennen dieses Gefühl. Manche mehr, manche weniger, aber kaum jemand weiß nichts damit anzufangen.


Über dieses Gefühl habe ich in letzter Zeit viel nachgedacht. Es ist für mich nicht definierbar, aber es bestimmt einen großen Teil meines Lebens. Aufgrund dieses Gefühls habe ich meine Karriere gewählt, wähle ich mein Zuhause und lasse meine Zukunftspläne leiten. Es ist ein Gefühl, das ich nicht missen will, nicht missen kann.

Es gehört zu mir wie mein Herzschlag und mein Lachen. Und ich glaube, jetzt gelernt zu haben, was das für ein Gefühl ist. Es nennt sich „The Blue Mind“.

Schon mal gehört? Ich zumindest bis dato nicht, aber es hat mich nicht mehr losgelassen. Deswegen jetzt eine kurze Exkursion zum Thema „The Blue Mind“.



The Blue Mind Theory


Begründer der Theorie ist Dr. Wallace Nichols. Der Meeresbiologe stellte die Theorie auf, dass wir Menschen uns an Gewässern wohl und geborgen fühlen.

Er begründete dies mit dem Gedanken unserer Herkunft und der Beschaffenheit des Menschen. Wasser war und ist schon immer ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wir bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und benötigen es, um zu überleben.

Aus diesem Grund sendet unser Gehirn positive Gefühle durch unseren Körper, wenn wir uns an einem Gewässer befinden. Dabei ist es erstmal gleich, um was für ein Gewässer es sich handelt.

Wissenschaftlich belegt werden konnte diese Theorie durch Scans und Untersuchungen der Hormonlevel. Sobald wir uns in der Nähe von Wasser befinden, fängt unser Körper an, Serotonin und Dopamin, also unsere ‚Feel-Good‘-Hormone, auszustoßen. Zeitgleich kommt es zu einer Stressreduktion und unsere Cortisollevel sinken ab. Dadurch fühlen wir uns ruhig und glücklich.

Des Weiteren besagt die ‚Blue Mind Theory‘, dass es auch den ‚Red Mind‘ in uns gibt. Dieser ist das Gegenteil vom Blue Mind und löst Stress und Unbehagen in uns aus. Dieser wird gefördert durch Überreizungen im Alltag, wie zum Beispiel eine laute Stadt oder Social Media. Gleichzeitig hält uns der ‚Red Mind‘ auch fokussiert und aufmerksam. Nach Dr. Wallace Nichols ist es das Ziel, diese beiden Zustände in Balance zu halten, um den ‚Grey Mind‘ zu erreichen. Dieser beinhaltet die Qualitäten beider Zustände.


Der Grey Mind lässt sich auch durch die Nähe zum Wasser auslösen. Das Brechen von Wellen ist ein recht regelmäßiges und vorhersehbares Phänomen für uns. Es beruhigt uns und bringt uns in einen meditativen Zustand, in den Blue Mind.

Das Ungewisse unter der Wasseroberfläche stellt das Gegenteil dar. Wir wissen nicht, was sich dort befindet, und müssen aufmerksam bleiben, um uns vor eventuellen Gefahren zu schützen. Das ist unser Red Mind. Sind wir an einem Gewässer, wie zum Beispiel dem Meer, kommen wir automatisch in einen Zustand des Grey Minds und dies ist dieses Gefühl, das wir alle kennen, aber kaum beschreiben können.

Wenn wir uns also das nächste Mal zu sehr in roten Gedanken verlieren, versuchen wir, die blauen Gedanken zu finden. Sie sind überall, können schon durch einen kleinen Bach, einen Brunnen oder auch nur das Geräusch des Wassers ausgelöst werden.


Das war jetzt nur eine sehr verkürzte Form der Blue Mind Theorie. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, hat die Möglichkeit, das gleichnamige Buch von Dr. Wallace Nichols zu lesen.


So, jetzt wissen wir also, was das für ein Gefühl ist.

Wenn man etwas wissenschaftlich erklärt oder belegt, verliert es manchmal seine Romantik. Auch hier fühle ich mich etwas auf den Boden der Tatsachen verfrachtet. Aber wenn ich einmal kurz in mich gehe, versuche, mich an dieses Gefühl zu erinnern, versuche, es zu spüren, dann spüre ich auch wieder die Magie. Spüre die Ruhe und das Glück.

Dieses Gefühl bleibt besonders, bleibt ein starker Antrieb für mich. Und ich weiß, dass ich dieses Gefühl mit vielen Menschen teile. Wir sind eben doch irgendwo Wasserwesen und vielleicht auch ein bisschen Wunderwesen. Teil dieser wunderbaren Welt, Teil der Natur, die uns umgibt.


Und vielleicht, wenn wir das nächste Mal am immer wiederkehrenden Meer sind, an einem reisenden Fluss oder an einem ruhigen See, können wir in uns gehen und spüren. Spüren, was da in uns ist, spüren, wie Blau unser Rot ins Gleichgewicht bringt und uns einfach freuen, dass es so etwas Wundervolles gibt. Im Moment wirklich sein und loslassen. Bei uns sein und gleichzeitig Teil von etwas Großem. Denn dann können wir leben.

Viel zu schnell lässt man sich vom Alltag mitreißen. Von seinen täglichen Gedanken und Problemen. Den endlosen Aufgaben und vergangenen Fehlern. Wir erlauben es uns nur noch selten, im Jetzt zu sein und einfach wir zu sein, aber sollte es nicht das sein, was wir anstreben?


Echt zu sein, viel mehr braucht es nicht.


Im Jetzt zu sein, viel mehr gibt es nicht.


Lasst uns dieses Gefühl bewahren. Lasst uns einfach einmal sein.


Mit dem Gefühl des Meeres im Herzen,

Eure Diving Biologist

 
 
 

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